Offener Brief des Chefredakteurs der ET-Mediengruppe  Rainer Hahne  an Eugen Drewermann,
erschienen am 12.04.2012 im  Kreisanzeiger  :

 

Sehr geehrter Eugen Drewermann,

Über Ostern bin ich in Kassel vor das Rathaus gegangen. Im Nieselregen. Und warum? Ich wollte endlich mal wieder Drewermann hören und habe ihn bekommen � das volle Programm.
�Wir m�ssen endlich raus aus der NATO, die uns von einem Krieg in den anderen zieht�, haben sie unter gro�em Beifall gefordert. Unsere Bundeswehr d�rfe keine Armee von Berufskillern werden, die das T�ten zum Beruf gemacht h�tten. Und es sei h�chste Zeit, endlich aus Afghanistan abzuziehen. �Das M�rchen von der Heimatverteidigung am Hindukusch braucht uns niemand mehr zu erz�hlen.�

Wortgewaltig warnten sie vor den Kriegen. Sprachen von �Millionen Friedenstauben, die auf den Schlachtfeldern dieser Welt blutig erschlagen� liegen.
1989 habe Michail Gorbatschow vorgeschlagen, nicht nur den Warschauer Pakt, sondern auch die NATO abzuschaffen. �Diese Chance haben wir verpa�t�, klagen sie Politiker wie Schr�der, Fischer, von Guttenberg an. �Deutsche Soldaten haben nichts auf den Schlachtfeldern der Welt zu suchen.�

�Sie haben nicht nur unsere K�pfe, sondern auch unsere Herzen getroffen�, fa�te Peter  Strutynski vom Kasseler Friedensforum treffend zusammen. Aber das hat mich nicht gewundert. Das ist Ihnen schon immer gelungen. Vor mehr als 30 Jahren habe ich Sie zum ersten Mal geh�rt. Sie sprachen an der Bielefelder Uni �ber �M�rchen und Tiefenpsychologie�. Vom ersten Tag an war der H�rsaal voll. Sp�ter mu�te man schon eine Stunde vorher da sein, um �berhaupt durch die T�r zu kommen. Da spricht ein Mann �ber �Schneewei�chen und Rosenrot� und an Bielefelds Reform-Uni platzt der H�rsaal aus allen N�hten.
Wie l��t sich das erkl�ren? In einer Zeit, in der die Uni-Professoren damit besch�ftigt waren, ihren kleinkarierten Machtkampf mit den frisch ernannten Professoren der Fachhochschulen auszutragen und denen zu zeigen, was ein �richtiger� Professor ist, waren Sie eine Lichtgestalt. Mit Ihrer Wortgewalt, mit Ihrer Ausstrahlung haben Sie uns sogar f�r M�rchen wieder interessiert, von denen wir seit unserer Kindheit nichts mehr geh�rt hatten.
Aber es war noch mehr. Sie waren authentisch. W�hrend andere Professoren niemanden mehr davon �berzeugen konnten, da� sie sich f�r Studenten wirklich interessieren, haben Sie sich Zeit genommen. Sie haben mit allen stundenlang nach den Vorlesungen immer noch diskutiert. Bei den anderen waren wir froh, wenn wir so schnell wie m�glich wieder abhauen konnten.

Lieber Eugen Drewermann, wie gut h�tte es der katholischen Kirche getan, wenn sie ihren kritischsten Geist behalten h�tte. Aber das konnte sie ja nicht aushalten. Doch wie hei�t es so sch�n: Die Strafe folgt auf dem Fu�.

Mit rhetorischen Gr��en

Rainer Hahne
Chefredakteur

PS. Sie schreiben wieder ein �M�rchenbuch�?
 

 

Herzlichen Dank an Herrn Rainer Hahne f�r die freundliche Genehmigung, den Text �bernehmen zu d�rfen.

 

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